247-IT Ratgeber
Wiederanlauf nach Stromausfall
Die geordnete Abschaltung ist eingerichtet, aber starten Server, Speicher und VMs danach auch wieder von selbst? Oft nicht. Woran das liegt und welche Einstellungen in BIOS, USV und Hyper-V den Wiederanlauf sicherstellen.
Wann Server nach einem Stromausfall von selbst starten
Das Herunterfahren ist meist sorgfältig geplant, das Hochfahren selten. Ob Server und VMs nach einem Stromausfall von selbst wieder laufen, hängt davon ab, wann der Strom zurückkommt:
| Fall | Was passiert | Starten die Server von selbst? |
|---|---|---|
| A: Strom kommt vor der Abschaltung zurück | Die Überwachung bricht ab, nichts wird heruntergefahren. | nicht nötig |
| B: Strom bleibt weg, Akku läuft leer | Die USV schaltet ihren Ausgang ab und bei Netzrückkehr wieder ein. | ja, wenn die Server auf „Einschalten bei Netzrückkehr“ stehen |
| C: Strom kommt zurück, nachdem die Server aus sind | Die USV hatte noch Akku, ihr Ausgang war nie aus. | nein, die Server bleiben aus |
Fall C ist häufiger, als man denkt. Die Abschaltung wird absichtlich mit Reserve ausgelöst, damit alle VMs sicher herunterfahren. Dauert der Ausfall 20 Minuten und die USV hätte 30 gehalten, sind die Server aus, die USV läuft aber weiter. Für die Server gab es keinen Stromausfall, also schalten sie sich auch nicht wieder ein.
Einschalten bei Netzrückkehr im BIOS oder BMC
Damit Fall B funktioniert, muss jeder Server so eingestellt sein, dass er sich beim Anliegen von Strom einschaltet. Die Einstellung liegt im BIOS oder im Management-Controller (BMC):
| Hersteller | Einstellung | Richtiger Wert |
|---|---|---|
| Dell (iDRAC) | AC Power Recovery, dazu AC Power Recovery Delay | On |
| HPE (iLO, BIOS) | Server Automatic Power-On, dazu Power-On Delay | Always Power On |
| Lenovo (XClarity) | Power Restore Policy | Always On |
| Fujitsu (iRMC) | Power Restore Policy | Always power on |
| Supermicro und Standard-Mainboards | Restore on AC Power Loss | Power On |
Vorsicht bei „Letzter Zustand“ (Last State, Restore): Nach einer geordneten Abschaltung war der letzte Zustand „aus“, der Server bleibt also aus. Für Server, die eine USV-Abschaltung durchlaufen, ist „immer ein“ die richtige Wahl.
Die Verzögerung nutzen Sie für die Reihenfolge: Speichersysteme sofort, die Hyper-V-Hosts ein bis zwei Minuten später. Das verteilt außerdem den Einschaltstrom, wenn viele Geräte an derselben USV hängen.
Fall C: Den USV-Ausgang abschalten lassen
Fall C lässt sich auf zwei Wegen lösen. Der erste: Die USV schaltet ihren Ausgang ab, nachdem alle Server heruntergefahren sind, und schaltet ihn bei Netzrückkehr wieder ein. Dann wird aus Fall C ein Fall B.
- NUT — der primäre NUT-Client fährt als letztes System herunter und weist die USV dabei an, den Ausgang nach einer Wartezeit ab- und bei Netzrückkehr wieder einzuschalten. Das ist bei NUT der Standardablauf, sofern der Treiber das für Ihre USV unterstützt.
- Netzwerkkarte der USV — die Karten haben Einstellungen dafür, wann der Ausgang nach einer Abschaltung zurückkommt: eine Rückkehrverzögerung und eine Mindestladung des Akkus. Die Mindestladung verhindert, dass die Server mit fast leerem Akku starten und beim nächsten Ausfall hart ausgehen.
Ein abgeschalteter Ausgang trifft allerdings auch alles, was nicht heruntergefahren wurde: Switches, Firewall, Telefonanlage, NAS. Prüfen Sie deshalb, was an der USV hängt, bevor Sie den Ausgang schalten lassen. Der UPS Hyper-V Shutdown Monitor lässt den USV-Ausgang an. Für Fall C nutzen Sie mit ihm den zweiten Weg.
Fall C: Server per BMC einschalten
Der zweite Weg: Die Server werden nach der Netzrückkehr über ihren Management-Controller eingeschaltet, von Hand über die Weboberfläche oder per Skript. Mit Redfish geht das bei aktuellen Servern herstellerübergreifend (PowerShell 7):
$cred = Get-Credential # BMC-Konto mit dem Recht, den Server einzuschalten
$body = @{ ResetType = 'On' } | ConvertTo-Json
# System-ID: Dell iDRAC "System.Embedded.1", HPE iLO und Lenovo XCC meist "1"
# -SkipCertificateCheck nur bei selbstsigniertem BMC-Zertifikat
Invoke-RestMethod -Method Post -Credential $cred -Authentication Basic -SkipCertificateCheck `
-Uri 'https://bmc-hv01/redfish/v1/Systems/System.Embedded.1/Actions/ComputerSystem.Reset' `
-ContentType 'application/json' -Body $body
Ältere Server ohne Redfish schalten Sie per IPMI ein:
# Passwort aus der Umgebungsvariable IPMI_PASSWORD, nicht auf der Kommandozeile
ipmitool -I lanplus -H bmc-hv01 -U admin -E chassis power on
Das Skript muss auf einem Gerät laufen, das den Ausfall überlebt hat, etwa einem kleinen Verwaltungsrechner oder einem Server an einer eigenen Stromversorgung. Wake-on-LAN ist eine Alternative, funktioniert aber nicht bei jedem Server aus dem ausgeschalteten Zustand und muss in BIOS und Netzwerkkarte aktiviert sein.
Läuft der UPS Hyper-V Shutdown Monitor nach der Abschaltung weiter, meldet er die Netzrückkehr per E-Mail und ab der Pro-Edition auch per Teams oder Webhook. Ein Webhook kann so ein Einschalt-Skript anstoßen.
In welcher Reihenfolge alles wieder startet
- Netzwerk — Switches und Firewall. Sie starten meist von selbst, sobald Strom anliegt.
- Speichersysteme — SAN oder NAS, bis die Volumes bereit sind. Hosts, die vorher starten, finden ihre VM-Speicher nicht.
- Hyper-V-Hosts — gestaffelt über die Einschaltverzögerung im BIOS oder BMC.
- Domain Controller — als erste VM, damit Anmeldung und DNS für alle anderen bereitstehen.
- Datenbank- und Mailserver, danach Datei- und Anwendungsserver.
Die VMs startet Hyper-V über die automatische Startaktion. Hier liegt eine
verbreitete Falle: Der Standardwert „Automatisch starten, wenn sie beim Beenden des Dienstes
ausgeführt wurde“ (StartIfRunning) greift nicht, wenn ein Werkzeug die VMs vor dem
Host herunterfährt. Beim Beenden des Hyper-V-Dienstes waren die VMs dann schon aus und bleiben
es. Für VMs, die nach einer USV-Abschaltung wieder laufen sollen, setzen Sie
Start mit einer Verzögerung:
Set-VM -Name "DC01" -AutomaticStartAction Start -AutomaticStartDelay 0
Set-VM -Name "SQL01" -AutomaticStartAction Start -AutomaticStartDelay 120
Set-VM -Name "APP01" -AutomaticStartAction Start -AutomaticStartDelay 240
Set-VM -Name "TEST01" -AutomaticStartAction Nothing
# Kontrolle
Get-VM | Select-Object Name, State, AutomaticStartAction, AutomaticStartDelay
In Failover-Clustern startet der Cluster die VMs nach ihrer Priorität, die Startaktion der VM spielt dort keine Rolle. Details stehen im Ratgeber Hyper-V Failover-Cluster bei Stromausfall, die Abschaltreihenfolge im Ratgeber Hyper-V VMs bei Stromausfall herunterfahren.
Checkliste für den Wiederanlauf
- BIOS oder BMC — jeder Server auf „immer ein“, nicht „letzter Zustand“, mit gestaffelter Verzögerung.
- Fall C geklärt — die USV schaltet ihren Ausgang ab und wieder ein, oder ein Skript bzw. eine Person schaltet die Server per BMC ein.
- Mindestladung — die USV gibt den Ausgang erst bei ausreichender Akkuladung wieder frei.
- Startaktion der VMs —
Startmit Verzögerung stattStartIfRunning, Test-VMs aufNothing. - Speicher vor den Hosts — SAN oder NAS ist bereit, bevor die Hosts ihre VMs starten.
- Test im Wartungsfenster — Netzstecker der USV ziehen, Abschaltung abwarten, Strom zurückgeben, bevor der Akku leer ist, und prüfen, ob alles wieder läuft.
Häufige Fragen
Warum starten meine Server nach dem Stromausfall nicht von selbst?
Meist kam der Strom zurück, nachdem die Server heruntergefahren waren, die USV aber noch Akku hatte. Ihr Ausgang war nie aus, also gab es für die Server keine Netzrückkehr. Abhilfe: die USV den Ausgang abschalten lassen oder die Server per BMC einschalten.
Welche BIOS-Einstellung ist nach einem Stromausfall richtig?
„Immer ein“ (Always On, Power On). „Letzter Zustand“ lässt einen Server nach einer geordneten Abschaltung ausgeschaltet, weil sein letzter Zustand „aus“ war.
Warum starten die VMs nicht, obwohl der Hyper-V-Host läuft?
Die Startaktion „Automatisch starten, wenn sie beim Beenden des Dienstes ausgeführt wurde“ greift nicht, wenn die VMs vor dem Host heruntergefahren wurden. Setzen Sie die Startaktion auf Start und legen Sie eine Verzögerung fest.
Kann die USV die Server einschalten?
Nicht direkt. Die USV kann nur ihren Ausgang ein- und ausschalten. Ob ein Server dann startet, bestimmt seine BIOS- oder BMC-Einstellung für die Netzrückkehr.
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